Wie auf einem zerfurchten Acker sieht es auf dem Oberen Freienstein in Stuttgart-Münster aus. Mit schwerem Gerät wurden hier bereits Bäume, Sträucher und Wiesen entfernt. Gefällte Baumstämme liegen zum Abtransport bereit, Spaziergänger bleiben kopfschüttelnd stehen. Hier will die Stadt Stuttgart ein Ersatzhabitat für Mauereidechsen anlegen, die vom Areal „Maker City“ beim Nordbahnhof umgesiedelt werden. Rund 2,6 Millionen Euro soll das ganze Projekt für 100 bis 500 Eidechsen kosten.
Artenvielfalt vor Ort vorhanden
Ich war dieser Tage vor Ort und sprach mit Gartenpächtern. Ihre Grundstücke grenzen an die gerodete Fläche an. Einigen von ihnen droht die Kündigung, weil noch mehr Platz für das neue Eidechsenhabitat benötigt wird. Im nächsten Herbst/Winter will die Stadt mit der Umsiedlung der Tiere beginnen. Bislang aber, so teilten mir die Betroffenen mit, habe sich niemand persönlich bei ihnen gemeldet und alle Gesprächs- und Besichtigungseinladungen wurden abgelehnt.
Für mich unverständlich: Die bisherige Landschaft war ein funktionierendes Biotop und bot Fledermäusen, Ringelnattern, Blindschleichen, Igeln, Lurchen, Buntspechten und zahlreichen Insekten eine Heimat. Auch in den Privatgärten existiert eine große Artenvielfalt von Bergmolchen, Grasfröschen und Erdkröten. Die Vernichtung deren Lebensraums scheint die Stadt aber nicht zu interessieren – genauso wenig, dass die die Pächter ihre Parzellen oft schon jahrzehntelang hegen und pflegen und hier kleine Naturparadiese entstanden sind.

Einfache Lösungen könnten helfen
Die Kleingärtner selbst wären bereit, den Mauereidechsen in ihren Gärten Asyl zu gewähren, wenn die Stadt Steine und Mauerelemente zur Verfügung stellen würde. Das kostet nicht viel, erhält die Gärten und Artenvielfalt und wäre rasch umzusetzen! Ich kann an die Stadt nur appellieren, nach kostengünstigeren Alternativen zu suchen und nicht noch mehr intakte Naturhabitate zu zerstören.
Bezirksbeirat für Beteiligung der Gartenpächter
Inzwischen haben sich die Kleingärtner in einer Initiative um Franziska Nickel und Mike Saile zusammengeschlossen. Zu Infoterminen an der Rodungsfläche kamen außerdem Anwohner sowie Mitglieder des Bezirksbeirats Stuttgart-Münster. Das Gremium, in dem auch mein FDP-Parteikollege Heinz Münch aktiv ist, fordert von der die Verwaltung einstimmig eine ehrliche Beteiligung der Kleingartenbesitzer und eine gleichberechtigte Einbeziehung des Bezirksbeirats „bei der Erhaltung der Kleingartenanlage und des Landschaftsschutzgebietes“.

